EMRT 2.0: Die erweiterte Mineralien-Liste der RMI im Überblick
Die unternehmerischen Sorgfaltspflichten weiten sich zunehmend aus und bringen weltweit neue Berichtspflichten für Unternehmen mit sich. Die Sicherung der Versorgung mit kritischen Rohstoffen, die für die globale Energiewende unerlässlich sind, ist mittlerweile in den Fokus wirtschaftlicher und geopolitischer Interessen gerückt. Während der Schwerpunkt historisch auf den sogenannten „3TG“-Mineralien (Zinn, Tantal, Wolfram und Gold) lag, wird der Anwendungsbereich nun auf weitere Rohstoffe ausgeweitet, deren Abbau ähnliche soziale, ökologische und ethische Herausforderungen mit sich bringt.
Die Märkte fordern eine immer größere Transparenz in Bezug auf diese essenziellen Materialien, insbesondere in Schlüsselbranchen wie der Elektronik-, Automobil-, Luft- und Raumfahrt- sowie der Verteidigungsindustrie. Verstärkt wird dieser Trend durch anhaltende Risiken von Menschenrechtsverletzungen und die Verbindungen zu bewaffneten Konflikten innerhalb der globalen Lieferketten.
In diesem Kontext hat die Responsible Minerals Initiative (RMI) ein umfassendes Update ihres Standards zur Rückverfolgbarkeit veröffentlicht: das EMRT 2.0. Dieser Artikel analysiert das Berichtstemplate im Detail, erläutert dessen Zweck, stellt die neu integrierten Rohstoffe vor und beleuchtet die konkreten Auswirkungen auf die Berichterstattung und die Strategie von Unternehmen.
Was ist EMRT 2.0?
Um die Bedeutung von EMRT 2.0 (Extended Minerals Reporting Template) vollständig zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf seine Ursprünge. Da sich die gesetzlichen Sorgfaltspflichten zunehmend über die klassischen 3TG-Mineralien hinaus ausweiten, hat sich das Berichtstemplate für erweiterte Mineraliendeklarationen (EMRT) als kostenloses, standardisiertes Berichterstattungstool etabliert, das von der Responsible Minerals Initiative (RMI) entwickelt wurde. Die RMI ist eine globale Organisation, die Unternehmen bei der verantwortungsvollen Beschaffung von Rohstoffen und der Identifizierung von Risiken entlang der gesamten Lieferkette unterstützt.
Wichtig zu erwähnen ist, dass das EMRT ursprünglich von der Responsible Business Alliance (RBA) ins Leben gerufen wurde und die RMI heute eine Initiative unter dem Dach der RBA ist. Der Zweck des EMRT besteht darin, den Informationsaustausch entlang der Lieferkette in folgenden Bereichen zu gewährleisten:
- Die Herkunft der Mineralien
- Die genutzten Verarbeitungsbetriebe (Schmelzen, Raffinerien und Verarbeiter)
Dieser Austausch findet in erster Linie im B2B-Kontext statt und ermöglicht es Unternehmen, Materialien zurückzuverfolgen, bevor sie in Endverbraucherprodukte einfließen. Durch diese systematische Rückverfolgbarkeit unterstützt das EMRT Unternehmen bei der Wahrnehmung ihrer Sorgfaltspflichten gemäß dem OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht in verantwortungsvollen Lieferketten.
Historische Entwicklung des EMRT bis zur Version 2.0
Die Entwicklung des EMRT veranschaulicht, wie die RMI ihr Tool kontinuierlich an die sich ändernden Anforderungen der Industrie angepasst hat, um die Effizienz der Analysen zu steigern. Zu den wichtigsten Meilensteinen gehören:
- EMRT 1.0 (Oktober 2021): Konzentrierte sich primär auf Kobalt und Glimmer (Mica).
- Erstes Update (1. Juni 2022): Optimierte Dokumentation, Einführung eines Abschnitts zur Versionshistorie (Revision History) und aktualisierte Leitlinien für Frage 3 der Deklaration.
- EMRT 2.0 (25. April 2025): Eine umfassende Überarbeitung, die den erweiterten Anwendungsbereich widerspiegelt und Folgendes umfasst:
- Neue Definitionen für Weiterverarbeiter (Transformers)
- Spezifische Anleitungen zur Dateneingabe in den Tabellenreitern für die Deklaration und die Minenliste (Declaration und Mine List)
- Vereinfachte und präzisierte Berichtsprozesse für eine bessere Rückverfolgbarkeit und höhere Effizienz
Die kontinuierliche Weiterentwicklung des EMRT stellt sicher, dass Unternehmen eine hohe Datengenauigkeit beibehalten und den Informationsaustausch entlang der gesamten Lieferkette optimieren können.
Vier neue strategische Mineralien in EMRT 2.0 integriert
EMRT 2.0 erweitert die Berichterstattung über Mineralien erheblich über den ursprünglichen Fokus auf Kobalt und Glimmer hinaus. Die vier zusätzlich aufgenommenen strategischen Mineralien sind:
- Kupfer
- Natürlicher Graphit
- Lithium
- Nickel
Die Einbindung dieser Mineralien steht in engem Zusammenhang mit dem Batteriemarkt und den europäischen Lieferkettenanforderungen – insbesondere im Rahmen der EU-Batterieverordnung (EU 2023/1542), die ab 2031 verbindliche Zielvorgaben für den Rezyklatanteil festlegt.
Vergleich der bisherigen und neuen Mineralien:
- Bisherige EMRT-Mineralien: Kobalt, Glimmer
- Neu hinzugefügte EMRT 2.0-Mineralien: Kupfer, Graphit, Lithium, Nickel
Diese Ergänzungen spiegeln die globalen Prioritäten in den Bereichen Nachhaltigkeit, Energiewende und die strategischen Anforderungen der Industrie wider.
Auswirkungen von EMRT 2.0: Berichterstattung und Strategie
Direkte operative Auswirkungen und Folgen für die Berichterstattung
Die Einführung von EMRT 2.0 bringt unmittelbare operative Auswirkungen für Unternehmen mit sich, die ihre Sorgfaltspflichten (Due Diligence) verwalten:
- Die Erweiterung des Modells erhöht den administrativen Aufwand und erfordert neue Verifizierungsprozesse.
- Unternehmen müssen die Rückverfolgbarkeit von Batterie-Rohstoffen (Kupfer, Graphit, Lithium, Nickel) mit derselben Stringenz umsetzen, die zuvor für 3TG-Mineralien galt.
- Neue Definitionen für Weiterverarbeiter (Transformers) und die geforderte Berichterstattung für neue Mineralien bedeuten, dass Downstream-Unternehmen ihre Prozesse aktualisieren und zusätzliche Akteure überprüfen müssen.
- Eine fehlerhafte Anwendung setzt Unternehmen dem Risiko einer nicht-konformen Berichterstattung aus, da die RMI modifizierte Versionen der Vorlage nicht anerkennt.
- Unternehmen, die Daten zuvor über das AMRT (Additional Minerals Reporting Template) erfasst haben, sollten diese schrittweise in EMRT 2.0 integrieren, um eine Überlastung der Lieferanten zu vermeiden.
Strategische Bedeutung für die EU-Compliance
Das EMRT 2.0 fungiert zudem als strategisches Instrument zur Abstimmung mit den europäischen Zielen für die Energiewende und die wirtschaftliche Souveränität:
- Die verpflichtende Berichterstattung über kritische Batterie-Mineralien stärkt die Versorgungssicherheit.
- Prognosen zufolge wird die europäische Batterieproduktion bis 2033 ein Volumen von 2.475 GWh erreichen, was eine exponentielle Nachfrage nach Lithium, Nickel, Graphit und Kupfer nach sich zieht.
- Ein Bericht des Dubai Multi Commodities Centre (DMCC, Feb. 2025) prognostiziert, dass die weltweite Nachfrage nach Lithium, Kobalt und Nickel bis 2050 um das 75-Fache steigen könnte.
- Das EMRT 2.0 unterstützt Unternehmen dabei, die EU-Ziele für den Rezyklatanteil (6 % Lithium und 6 % Nickel bis 2031) zu erfüllen und die Abhängigkeit von stark konzentrierten Raffineriestandorten wie China zu steuern.
Relevanz für die US-Compliance
- Wachsende Angleichung an regulatorische Erwartungen in den USA: Obwohl EMRT 2.0 gesetzlich nicht zwingend vorgeschrieben ist, wird es von in den USA ansässigen Herstellern und Importeuren zunehmend als Teil ihrer Programme für verantwortungsvolle Beschaffung und Lieferketten-Sorgfaltspflichten eingesetzt.
- Unterstützung bei der UFLPA-Compliance: Der Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA) hat zu verschärften Kontrollmaßnahmen durch den US-Zoll (U.S. Customs and Border Protection, CBP) geführt.
- EMRT-Daten helfen Unternehmen dabei, Lieferketten zu kartieren, Hochrisikoregionen zu bewerten und eine Dokumentation bereitzustellen, die die gebotene Sorgfalt (reasonable care) nachweist.
- Lieferanten stützen sich häufig auf EMRT-Informationen, wenn sie auf Beschlagnahmeverfügungen (detention notices) der CBP oder Anfragen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit reagieren.
- Relevanz für die Anforderungen des Inflation Reduction Act (IRA): Der IRA knüpft bestimmte Steueranreize für Elektrofahrzeuge (EVs) und erneuerbare Energien an Beschaffungsvorschriften für Mineralien wie Lithium, Nickel und Graphit.
- Die erweiterte Mineralienliste von EMRT 2.0 hilft Herstellern, die Herkunft der Rohstoffe zu überprüfen und zu beurteilen, ob Lieferanten die Kriterien von Freihandelsabkommen erfüllen.
- Steigende Erwartungen von US-Kunden und Auditoren: Viele US-amerikanische OEMs und Tier-1-Zulieferer fordern EMRT-Daten mittlerweile standardmäßig im Rahmen von ESG-Audits, bei der Lieferantenqualifizierung (Supplier Onboarding) und bei jährlichen Compliance-Überprüfungen an.
- Gestärkte Rückverfolgbarkeit und Risikomanagement: Die Nutzung von EMRT 2.0 stärkt die Compliance über mehrere US-Rahmenwerke hinweg – einschließlich interner Unternehmensrichtlinien, Industriestandards und neuer Berichtserwartungen rund um die Transparenz in der Lieferkette.
Automatisierung der Rückverfolgbarkeit für EMRT 2.0
Mit der Einführung von EMRT 2.0 werden manuelle Methoden (wie Excel-Tabellen oder Ad-hoc-Nachverfolgung) aufgrund folgender Faktoren zunehmend ineffizient:
- Das immense Datenvolumen, das durch die neu hinzukommenden Mineralien generiert wird
- Häufige Aktualisierungen (wie das kleinere Update EMRT 2.1 im Oktober 2025)
- Die Notwendigkeit, Schmelzen und Raffinerien gemäß den aktualisierten RMI-Definitionen präzise nachzuverfolgen
Um diese Herausforderungen proaktiv zu bewältigen, ist der Einsatz einer integrierten EHS-Software unerlässlich. Zu den zentralen Funktionen gehören dabei:
- Das ausgelagerte Management der CMRT- und EMRT-Berichterstattung
- Eine dynamische Lieferkettenkartierung (Supply Chain Mapping) für die neuen Mineralien
- Die automatisierte Überprüfung der Compliance von Schmelzen und Raffinerien anhand der offiziellen RMI-Referenzlisten
- Ein nachhaltiges Datenmanagement, das Revisionssicherheit (Auditability) und lückenlose Rückverfolgbarkeit garantiert
Die Kombination aus leistungsstarker Software und fachlicher Begleitung stellt sowohl die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften als auch eine transparente Rückverfolgbarkeit kritischer Rohstoffe sicher. Spezialisierte Lösungen wie TEEXMA for EHS der BASSETTI GROUP bieten genau diese technologischen Funktionen.
Best Practices für die Implementierung von EMRT 2.0 in Ihrer Lieferkette
Die erfolgreiche Integration von EMRT 2.0 in Ihre Lieferkette erfordert mehr als das bloße Ausfüllen der Vorlage. Unternehmen, die Best Practices anwenden, können ihre Berichterstattung optimieren, die Compliance verbessern und die Transparenz in der Lieferkette erhöhen. Zu den wichtigsten Strategien gehören:
Zentralisierung der Datenerfassung
Nutzen Sie integrierte Softwarelösungen, um Lieferanteninformationen, Daten zur Rohstoffherkunft und Details zu den Verarbeitungsbetrieben zusammenzuführen. Dies reduziert Fehler und stellt die Compliance mit den RMI-Standards sicher.
Frühzeitige Einbindung von Lieferanten
Kommunizieren Sie die neuen EMRT 2.0-Anforderungen frühzeitig an alle Upstream-Lieferanten. Eine rechtzeitige Einbindung verhindert Verzögerungen und gewährleistet eine präzise Berichterstattung über kritische Mineralien wie Lithium, Nickel, Kupfer und Graphit.
Berichterstattung automatisieren
Die manuelle Nachverfolgung von Mineralien über mehrere Lieferanten hinweg ist zeitaufwendig und fehleranfällig. Automatisierung unterstützt eine kontinuierliche Rückverfolgbarkeit und ermöglicht es Ihrem Team, sich auf die Analyse statt auf die reine Dateneingabe zu konzentrieren.
Abstimmung mit globalen Standards
Stellen Sie sicher, dass die EMRT 2.0-Berichterstattung andere regulatorische Rahmenwerke wie den OECD-Leitfaden für die Sorgfaltspflicht, den Dodd-Frank Act und relevante EU-Richtlinien ergänzt. Diese übergreifende Ausrichtung stärkt Ihre ESG- und Compliance-Berichterstattung.
Führen eines Audit-Trails
Führen Sie eine lückenlose Dokumentation aller Lieferantenkommunikationen, Mineraliendeklarationen und Aktualisierungen. Ein revisionssicherer Audit-Trail weist die Erfüllung der Sorgfaltspflichten nach und unterstützt die Transparenz gegenüber Investoren und Regulierungsbehörden.
Prozesse regelmäßig aktualisieren
EMRT 2.0 und die RMI-Leitlinien entwickeln sich kontinuierlich weiter. Planen Sie regelmäßige Überprüfungen Ihrer Berichtsprozesse ein, um kleinere und größere Überarbeitungen effizient zu integrieren und sicherzustellen, dass Ihre Compliance und Rückverfolgbarkeit stets auf dem neuesten Stand bleiben.
Die Umsetzung dieser Best Practices stellt nicht nur die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sicher, sondern positioniert Ihr Unternehmen auch als Vorreiter bei der nachhaltigen und verantwortungsvollen Beschaffung von Mineralien – was das Vertrauen bei Investoren, Partnern und Kunden nachhaltig stärkt.