PPWR 2026: Wie die EU-Verordnung Verpackungsmüll bekämpft
Eine Umweltkrise, die eine regulatorische Revolution erfordert
Die Europäische Union steht vor einer beispiellosen Umweltkrise, die größtenteils auf den nicht nachhaltigen Umgang mit Verpackungsabfällen zurückzuführen ist. Der steigende Konsum, das Bevölkerungswachstum und der boomende Online-Handel haben zu einem enormen Anstieg der Produktion und Entsorgung von Verpackungen geführt, insbesondere von Kunststoffverpackungen. Allein im Jahr 2021 hat die EU 80,1 Millionen Tonnen Verpackungsabfall erzeugt – ein Anstieg von 20 % im Vergleich zu 2010. Das sind rund 180 kg Verpackungsabfall pro EU-Bürger und Jahr.
Noch alarmierender ist die aktuelle jährliche Wachstumsrate von 4 %. Wenn diese Entwicklung anhält, könnte die Menge an Verpackungsabfall bis 2035 auf über 100 Millionen Tonnen ansteigen.
Kunststoff steht im Mittelpunkt dieser Krise. Obwohl er leicht und kostengünstig ist, sind die Umweltauswirkungen gravierend. Von den 15 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen, die 2021 in der EU anfielen, wurden nur 40 % recycelt. Die verbleibenden 60 % wurden verbrannt, auf Deponien entsorgt oder – noch schlimmer – gelangten sie in die Umwelt.
Besonders besorgniserregend ist, dass rund 70 % aller Kunststoffabfälle in der Natur allein aus Lebensmittelverpackungen stammen. Als Reaktion auf diese alarmierende Entwicklung hat die Europäische Kommission einen weitreichenden Gesetzesvorschlag präsentiert: die Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR).
Die Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) ist ein Kernstück des European Green Deal, der die EU bis 2050 klimaneutral machen soll. Die PPWR verfolgt eine ehrgeizige Strategie, um Verpackungsabfälle drastisch zu reduzieren, die Wiederverwendung zu fördern und die Recyclingfähigkeit massiv zu verbessern.
Dafür setzt sie sich folgende konkrete Ziele:
- Bis 2030 müssen alle Verpackungen zu 100 % recycelbar sein.
- Das Verpackungsabfallaufkommen soll bis 2040 um 15 % im Vergleich zu 2018 sinken.
- Es werden verbindliche Quoten für den Einsatz von recyceltem Material eingeführt.
- Nicht recycelbare Kunststoffe werden schrittweise verboten.
- Es entstehen harmonisierte Verpackungsstandards für die gesamte EU.
Die Verordnung löst nicht nur ein drängendes Umweltproblem, sondern schafft auch einen europaweit einheitlichen Rechtsrahmen. Das beseitigt nationale Unterschiede und gibt Unternehmen in der gesamten EU langfristige Planungssicherheit.
Die Agrar- und Lebensmittelindustrie vor einem tiefgreifenden Wandel
Die Agrar- und Lebensmittelindustrie steht im Zentrum dieses regulatorischen Umbruchs. Laut Eurostat stammen fast 40 % der Kunststoffverpackungen in Europa aus diesem Sektor. Verpackungen sind unverzichtbar für die Lebensmittelsicherheit, die Verlängerung der Haltbarkeit und eine effiziente Verteilung. Doch diese starke Abhängigkeit hat einen hohen ökologischen Preis: Die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen im Lebensmittelbereich liegt weiterhin unter 50 %, und erhebliche Mengen landen auf Deponien oder verschmutzen die Umwelt.
Die PPWR führt eine Reihe verbindlicher Maßnahmen ein, die die Branche grundlegend verändern werden:
- Verbot von Einwegkunststoffen: Ein schrittweises Verbot für Folien, Schalen und expandiertes Polystyrol (EPS).
- Verpflichtender Rezyklatanteil: 25 % bis 2025, ansteigend auf 30 % bis 2030.
- Wiederverwendungsquoten: Bis 2030 müssen im Fast-Food-Bereich mindestens 10 % der Verpackungen wiederverwendbar sein.
- Pfand- und Rücknahmesysteme: Deren Einführung wird verpflichtend.
- Umweltkennzeichnung: Eine verpflichtende Kennzeichnung soll Verbraucher informieren.
Kosten und Chancen des Wandels
Diese Verpflichtungen werden Unternehmen erhebliche Kosten auferlegen:
- Modernisierung: Produktionslinien müssen für neue Materialien umgerüstet werden.
- Forschung: Investitionen in Forschung und Entwicklung nachhaltiger Alternativen sind notwendig.
- Logistik: Logistiksysteme müssen umgestaltet werden, um Reinigungs- und Wiederverwendungsprozesse zu integrieren.
- Schulungen: Das Personal muss geschult und die Rückwärtslogistik verwaltet werden.
Die Nichteinhaltung der PPWR hat ernste Konsequenzen: Geldstrafen von bis zu 4 % des Jahresumsatzes, Handelssanktionen und Reputationsverluste.
Gleichzeitig eröffnen diese Herausforderungen aber auch neue Chancen. Mehrere große Unternehmen gehen bereits mit gutem Beispiel voran: Coca-Cola stellt auf 100 % recycelte PET-Flaschen um, Danone verwendet recycelbare Kartonbecher, und Barilla hat die Plastikfenster aus Pasta-Verpackungen entfernt, um das Recycling zu vereinfachen.
Ökodesign entwickelt sich zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil für Marken, der die Wahrnehmung und Kaufentscheidungen der Verbraucher maßgeblich beeinflusst.
Der Weg zur Kreislaufwirtschaft: Innovation und digitale Lösungen
Der Erfolg der PPWR hängt maßgeblich von zwei Säulen ab: der Entwicklung nachhaltiger Materialien und der Modernisierung der europäischen Recycling-Infrastruktur. Vielversprechende Innovationen gibt es bereits, darunter:
- Kompostierbare Biokunststoffe (z. B. PLA, PHA) aus nachwachsenden Rohstoffen.
- Feuchtigkeitsbeständiges, verstärktes Papier und Karton.
- Biologisch abbaubare Lebensmittelfolien als Ersatz für herkömmliche Kunststoffe.
- Nachfüllbare Behälter und Verpackungslösungen im Großformat.
Die Umsetzung in der Breite bleibt jedoch eine Herausforderung. Faktoren wie Wirtschaftlichkeit, technologische Reife und Akzeptanz bei den Verbrauchern müssen weiter verbessert werden. Gleichzeitig steht Europas Recyclingkapazität unter Druck, was an folgenden Problemen liegt:
- Mangelhafte Abfalltrennung: 25 % der recycelbaren Abfälle sind weiterhin verunreinigt.
- Veraltete und ungleichmäßig verteilte Anlagen.
- Regionale Unterschiede bei Sammelsystemen.
- Komplexe, nicht standardisierte Verpackungsmaterialien.
Um diese strukturellen Hürden zu überwinden, sieht die PPWR tiefgreifende Maßnahmen vor:
- Standardisierung von Verpackungsformaten, um die Sortierung zu vereinfachen.
- Umfassende Investitionen in moderne Sortier- und Recyclingtechnologien.
- Harmonisierung der Sammel- und Recyclingpraktiken in den Mitgliedstaaten.
- Besteuerung von nicht recycelbaren Materialien.
Digitale Lösungen für die Einhaltung der PPWR
Digitale Innovationen sind in diesem komplexen Transformationsprozess unerlässlich. Die von BASSETTI entwickelte Lösung TEEXMA for Materials hilft Unternehmen dabei, die PPWR-Vorgaben zu erfüllen. Zu den Hauptfunktionen gehören:
- Die Zentralisierung von Daten zur Materialzusammensetzung und Umweltleistung.
- Die Bewertung der Recyclingfähigkeit, des CO₂-Fußabdrucks und der biologischen Abbaubarkeit von Verpackungen.
- Die automatisierte Erstellung von gesetzlich vorgeschriebenen Konformitätsberichten.
- Echtzeit-Benachrichtigungen bei bevorstehenden regulatorischen Änderungen.
- Die Kennzeichnung nicht konformer Verpackungen, bevor sie auf den Markt kommen.
Durch die Automatisierung der Compliance und die Integration von Ökodesign-Prinzipien über digitale Plattformen können Unternehmen regulatorische Anforderungen in strategische Chancen umwandeln. Die PPWR mag anspruchsvoll sein, ebnet aber den Weg für eine neue Ära verantwortungsvoller, innovativer und zukunftsfähiger Verpackungslösungen in ganz Europa.
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