Was ist ein LES (Laboratory Execution System)? Definition und Rolle im Laboralltag
Zuletzt aktualisiert am 04. August 2026
In der sich rasch entwickelnden Laborinformatik sind die Softwarelösungen für Laborleiter leistungsfähiger als je zuvor. Während das Laboratory Information Management System (LIMS) ein etablierter Bestandteil der digitalen Transformation im Labor ist, gewinnt ein weiterer Begriff zunehmend an Bedeutung: das Laboratory Execution System (LES).
Doch was genau ist ein LES? Wie unterscheidet es sich von einem LIMS oder einem Electronic Lab Notebook (ELN)? In diesem Artikel erfahren Sie, wie ein LES die Lücke zwischen dem übergeordneten Labormanagement und der operativen Durchführung auf Laborebene schließt.
Definition eines Laboratory Execution Systems (LES)
Ein Laboratory Execution System (LES) ist eine Softwarelösung – entweder als Standalone-Anwendung oder in ein LIMS integriert –, die zur Steuerung und Führung der operativen Abläufe in einem Qualitätskontrolllabor (QC-Labor) entwickelt wurde.
Man kann sich das LES als digitale Weiterentwicklung des papierbasierten Laborbuchs vorstellen. Sein Hauptaugenmerk liegt darauf, die exakte Einhaltung von Standardarbeitsanweisungen (SOPs) sicherzustellen. Es führt das Laborpersonal in Echtzeit durch die Arbeitsabläufe und gewährleistet zeitgleich die strikte Einhaltung von Qualitätssicherungs- und Qualitätskontrollvorgaben.
LES vs. ELN vs. LIMS: Wo liegt der Unterschied?
Diese Systeme werden leicht miteinander verwechselt, bedienen jedoch völlig unterschiedliche Aufgabenbereiche innerhalb des Labor-Informationssystems:
- LES vs. ELN: Während beide Lösungen handschriftliche Notizen digitalisieren, kommt ein ELN (Elektronisches Laborbuch) primär in Forschung & Entwicklung (F&E) zum Einsatz, wo Experimente unstrukturiert und explorativ sind. Ein LES hingegen ist speziell für die Qualitätskontrolle (QC) konzipiert, in der die Prozesse stark reguliert und repetitiv sind.
- LES vs. LIMS: Das LIMS verwaltet das „Was“ und „Warum“ (Probenverwaltung, Ressourcenmanagement, Ergebnisvalidierung und KPI-Berichterstattung). Das LES steuert das „Wie“ (schrittweise Testdurchführung, Geräteanbindung und Echtzeit-Datenerfassung).
In einem modernen Smart Lab übergibt das LIMS die Prüfvorschrift an das LES. Das LES führt die Laborfachkraft Schritt für Schritt durch die Prüfung und spielt die Rohdaten zur abschließenden Berechnung und Archivierung an das LIMS zurück.
Kriterien & Kernfunktionen bei der Auswahl eines LES
Achten Sie bei der Evaluierung eines LES für Ihr Labor darauf, dass die Software folgende drei zentralen Funktionen abdeckt:
Workflow-Management & Terminplanung
Egal ob aus dem LIMS importiert oder direkt im LES erstellt: Ihre Prüfvorschriften sollten jeden einzelnen Analyseschritt formal festlegen. Das System sollte Qualifikationen und Zertifizierungen des Personals in Echtzeit abgleichen. So stellen Sie sicher, dass nur geschultes Personal unter Berücksichtigung der aktuellen Geräteverfügbarkeit spezifische Prüfungen durchführt.
Protokollgestützte Testdurchführung
Ein LES sollte eine mobile, tabletoptimierte Benutzeroberfläche bieten, die Laborfachkräfte direkt am Arbeitsplatz nutzen können. Wichtige Merkmale hierbei sind:
- QR-/Barcode-Scanning: Sofortige und eindeutige Identifikation von Proben, Reagenzien und Prüfmitteln.
- Geführte Abläufe in Echtzeit: Logikbasierte Workflows, die verhindern, dass Schritt B ausgeführt wird, bevor Schritt A korrekt abgeschlossen ist.
- Automatische Berichterstellung: Auf Knopfdruck erstellte, vollständige Prüfberichte.
Datenintegrität & Schnittstellenanbindung
Die wahre Stärke eines LES liegt in der nahtlosen Anbindung an Ihre Laborgeräte (Waagen, pH-Meter, HPLC-Systeme etc.). Durch die automatisierte Datenerfassung eliminieren Sie manuelle Übertragungsfehler und senken das Risiko von Tippfehlern oder ungewollten Abweichungen drastisch.
Ist ein LES die richtige Lösung für Ihr Labor?
Jedes Labor weist einen individuellen Digitalisierungsgrad auf. Bei der Evaluierung eines LES sollten Sie sich daher folgende Fragen stellen:
- Lässt sich die Software nahtlos in unser bestehendes LIMS oder ERP-System integrieren?
- Ist das System flexibel genug, um unsere spezifischen, internen Prüfverfahren abzubilden?
- Bietet die Benutzeroberfläche eine Ergonomie, die für den täglichen Einsatz bei hohem Durchsatz ausgelegt ist?
- Bietet die Lösung die erforderlichen Konfigurationsmöglichkeiten für unsere spezifische Branche (z. B. Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik oder Chemie)?
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